(Sorry, this is written in German. Try Google translate, and let me know if you think a translation would be great and important.)
Ich habe gerade einen Mitschnitt vom Gespräch zwischen Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk gesehen. Es ist sowohl traurig als auch wunderbar, so in seinen Ansichten bestätigt zu werden. Ich teile Marcel Reich-Ranickis Ansichten zu 100%, und bin enttäuscht, dass Thomas Gottschalk so einen naiven Eindruck gemacht hat. Jemand, der offenbar Showmaster geworden ist, weil er kein guter Lehrer war. Reich-Ranicki wäre ein Lehrer gewesen, dem ich gerne zugehört hätte.
Das Fernsehen besteht zu 90% aus blödsinnigem Plunder. Das ist keine “Arroganz der Elite”, wie sie Gottschalk so schön nennt. Ich kenne solche Ausdrücke aus der US-Politik, und dort werden sie oft von denen gebraucht, die gerne die Öffentlichkeit verarschen. Wissensaneignung hat etwas zu sein, dem sich nur die widmen, die glauben, etwas besseres zu sein. Plötzlich wird das nicht-lesen, das nicht-begreifen ein Lebensausdruck, eine Demonstration der Einfachheit. Wenn die Elite liest, um sich über die anderen zu erheben, werde ich zukünftig nicht lesen, um zu zeigen, dass ich ehrlich bin und zu mir stehe. Das ironische an dieser Idee ist, dass sie von Leuten erfunden wurde, die viel lesen und nachdenken, vor allem darüber, wie man die öffentliche Meinung manipuliert.
Das Fernsehen besteht zu 90% aus blödsinnigem Plunder. Das versteht jeder, der es liebt, unterhalten zu werden. Gute Unterhaltung ist sicher nicht Atze “Mütze-Glatze” Schröder oder Mario “Hömma Frauen” Barth. Mal ein wenig blöd sein ist sicher nicht verkehrt. Das aber zum System zu machen, ist grauenhaft. Wie Helge Schneider in diese Diskussion geraten ist, weiss ich nicht. Er gehört für mich zu den unterhaltsamen Künstlern, weil er nicht dummdreist blödelt, sondern zeigt, wie man spontan intelligenten kindlichen Humor erzeugen kann. Er ist ein musikalischer Clown ohne rote Nase, immer wieder frisch. Dieser Humor mag im Fernsehen nicht so gut ankommen, live ist er göttlich. Vielleicht auch ein Grund, warum Schneider keinen Fernsehpreis bekommen hat. Ich sollte mich darüber freuen.
Das Fernsehen besteht zu 90% aus blödsinnigem Plunder. Warum eigentlich? Das liegt daran, wie in Deutschland die Quote gemessen wird. Wer “Free Rainer” gesehen hat, ist schon eingeweiht: ein minimaler Prozentsatz von angeblich repräsentativen Haushalten ist mit einem Gerät ausgestattet, das misst, welche Sendung gesehen wird, und wie lang. Die gemessenen Zahlen werden hochgerechnet, und das sollen dann alle sein, die zugesehen haben. Wenn also z.B. Thomas Gottschalk behauptet, 10 Millionen Zuschauer schauen ihm Samstag Abend zu, dann waren es tatsächlich 6000 Zuschauer, und wir gehen einfach mal davon aus, dass alle anderen das genauso so gesehen haben.
Auf der Basis dieser Quotenzahlen wird mittlerweile das Programm aufgebaut. Programmchefs achten auf die Quote, weil Werbepartner auf die Quote achten. Je höher die Quote, desto höher das Interesse, in der Sendung Spots zu schalten, desto mehr Geld kann man für das Senden der Spots verlangen. Effektiv geht es nicht darum, so viele Zuschauer wie möglich vor die Kiste zu bekommen. Es darum, die Leute mit den Messboxen, ich nenne sie mal Boxgucker, vor die Kiste zu kriegen. Die Quote lässt sich dann also leicht dadurch hacken, dass man rausfindet, für welches Programm sich die Boxgucker interessieren. Was schaut wohl jemand gern, der sich so ein Gerät umsonst zuhause installieren lässt?
Die Auswahl der Boxgucker soll angeblich repräsentativ sein. Aber sie ist schon dadurch geschädigt, dass nur die ein Gerät bekommen haben, die auch eines wollten. Somit bildet die Quote nur eine Statistik über die Leute ab, die so fühlen und denken, dass sie gestatten können, dass sie jemand beim Fernsehgucken beobachtet. Ich, der sich zum Beispiel nie so ein Gerät installieren lassen würde, würde nie in der Statistik berücksichtigt werden. Wieviele Leute haben die Box abgelehnt? Und was gucken Leute, die so eine Box nicht wollen? DSF Sexy Clips? Wir wissen es nicht.
Da also jetzt klar ist, dass das Programm so schlecht ist, weil es effektiv für Boxgucker gemacht wird, müssten Sender, die keine Werbung machen dürfen und daher auch nicht auf die Quote achten müssen, besseres Programm machen. Soweit die Theorie. 3Sat, Arte sind wunderbare Belege.
Aber wer brauch das Fernsehen noch, wo wir im Internet unser eigenes Programm machen können? Wo ich auch fast alle Mitschnitte von Sendungen, die mich interessieren, auf YouTube bekommen kann? Wo die guten Empfehlungen von meinen Freunden kommen, nicht von Werbetafeln auf meinem Arbeitsweg. Top/Flopp-Filterseiten wie Digg und Reddit treffen echte demokratische Entscheidungen darüber, was die Masse interessiert. Und ich bin wesentlich öfter erfreut als frustiert darüber, was ich dort finde.
Sicherlich ist das Internet voller Scheiße, wie Kinderprofessor Haribo argumentiert, der Unterschied ist, dass hier genügend Unterhaltungs-Qualität verfügbar ist, ob in Artikelform, als Spiel oder als Kurzfilm, sofort abrufbar. Es ist kein gelangweiltes Umschalten zwischen Kanälen notwendig, kein Warten und kein Weckerstellen.
Ich muss hier niemanden mehr vom Internet überzeugen, Marcel und wir wissen es bereits alle. Nur die Intendanten und Thomas Gottschalk haben es noch nicht verstanden. Bald habt ihr tatsächlich nur noch 6000 Zuschauer.
Warum Fernsehen zu 90% aus Plunder besteht